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Martin Gottschalk
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Freitag, 27.10.2017 09:40

Qualitätsinitiative für das Stromnetz: Modernisie‎rung schreitet voran

Die REWAG investiert für mehr Si‎cherheit und Qualität der Stromversorgung zusätzlich etwa 15 ‎Millionen Euro in ‎die Erneuerung störanfälliger PE-Stromleitungen. ‎Gerade Produktionsanlagen von hoch-‎technologisierten ‎Unternehmen können sensibel auf Spannungsschwankungen ‎durch defekte Leitungen ‎reagieren. Die Qualitätsinitiative läuft über ‎die nächsten 10 Jahre. 25 Prozent der störanfälligen Kabel für ‎Industriekunden sind nun bereits ‎ausgetauscht.

Spannungseinbrüche, die eine Privatperson bestenfalls durch ein ‎kurzes „Flackern“ einer alten ‎Glühbirne wahrnimmt, können in der ‎hoch-technologisierten Industrie millionenteure ‎Produktionsausfälle ‎verursachen. Dafür reichen Schwankungen im Millisekunden-Bereich. ‎‎Verursacht werden Sie häufig durch veraltete PE-‎Mittelspannungskabel ‎(Polyethylen). Das Material der 1975 bis 1992 ‎verlegten Leitungen ist trotz Sanierung empfindlich gegenüber ‎eindringendem Wasser. Die Folge sind Kurzschlüsse. Etwa 30 Mal ‎‎höher liegt die Wahrscheinlichkeit, dass bei einem dieser älteren PE-‎Kabel im Vergleich zu neuen VPE-Kabeln (vernetztes Polyethylen) ‎materialbedingt eine Störung ‎auftritt.‎

Es geht nicht nur darum, jederzeit Strom konkurrenzfähig anbieten zu ‎können. Er muss ‎ebenso sicher und störungsfrei beim Kunden ‎ankommen – ohne jegliches „Flackern“. Wie ‎man das sicherstellt, ‎damit beschäftigt sich die technische Abteilung des ‎Energieversorgers ‎sehr intensiv. „Die REWAG stellt den Anspruch an sich selbst, ‎bestmögliche ‎Versorgungssicherheit für ihre Kunden – ob Privat-, ‎Gewerbe- oder große Industriekunden – ‎zu gewährleisten“, so ‎Vorstandsvorsitzender Olaf Hermes. „Das geht nicht ohne ‎‎Investitionen.“ Konkret bedeutet dies den Austausch der ‎störungsanfälligen PE- durch neue ‎VPE-Mittelspannungskabel. Die ‎Erneuerung läuft bereits seit 2015. Die Investitionssumme liegt bei ‎rund 15 Millionen Euro. Sie setzt sich aus der ‎Gesamtleitungslänge ‎von den noch im Netz befindlichen PE-Kabeln von insgesamt ‎circa ‎‎120 Kilometern zusammen. Für einen Meter Kabel rechnet die ‎REWAG mit ungefähr 125 Euro. „Wir gehen derzeit davon aus, dass ‎die Erneuerungsmaßnahmen insgesamt rund ‎zehn Jahre dauern“, so ‎Hermes. „Neuralgische ‎Punkte wie ‎Gewerbegebiete oder solche, in ‎denen viel Industrie angesiedelt ist, werden zeitlich prioritär ‎behandelt.“ „Dabei liegen wir gut im ‎Plan“, ergänzt Wolfgang Haas, ‎der Geschäftsführer der Regensburg Netz GmbH, einer 100-‎prozentigen Tochtergesellschaft der REWAG. „Es sind ‎schon etwa 25 ‎Prozent von rund 18 Kilometern der relevanten Kabel für ‎Industriekunden ‎ausgewechselt. Bis zum Jahresende werden wir ‎circa ein Drittel erneuert haben“. Neben ‎dem Kabelaustausch erfolgt ‎zudem die Erneuerung von Trafostationen an ‎kritischen Netzknoten.‎ ‎

Die Regensburg Netz GmbH betreibt und plant die Netze im ‎gesamten Netzgebiet der REWAG KG. Sie ist grundsätzlich für das ‎‎20-Kilovolt-(kV)-Netz – das ‎Mittelspannungsnetz – zuständig, über ‎das insbesondere die größeren Kunden direkt mit ‎Strom versorgt ‎werden. Die ersten Probleme in der Versorgungskette treten aber ‎bereits beim ‎Vorlieferanten auf der 110-KV-Ebene im Hochspan‎nungsnetz auf. Eine der Ursachen dafür ‎sind ‎nistende Vögel auf den ‎Leitungsmasten, deren Kotstrahlen Erdschlüsse verursachen ‎können, ‎‎die dann zu Spannungseinbrüchen führen.‎ Die REWAG hat dagegen ‎Maßnahmen entwickelt, die  sich mit der Frage beschäftigen, ‎‎inwieweit durch konstruktive Veränderungen an Isolatoren im ‎Hochspannungsnetz die ‎‎„Vogelproblematik“ bereits in der ersten ‎Stufe in den Griff zu bekommen ist. Dies kann beispielsweise mit ‎Schutzabdeckungen auf den Isolatoren geschehen. Auch andere ‎‎Lösungsmöglichkeiten werden diskutiert. Die REWAG ‎beziehungsweise die Regensburg Netz ‎GmbH selbst fährt ihre ‎eigenen Mittelspannungsnetze als sogenannte gelöschte Netze, das ‎‎sind Stromnetze, die auf singuläre Vorfälle, wie sie durch Vögel entste‎hen, nicht sofort ‎abschalten, sondern erst bei einem weiteren Fehler ‎reagieren. ‎

Neben diesen Lösungsansätzen und der Modernisierung des ‎Stromnetzes verfolgt die REWAG weitere Maßnahmen, damit sich ‎Kunden ‎aus Gewerbe und Industrie besser vor Spannungseinbrüchen ‎schützen können. Diese ‎beruhen vor allem auf beratender, ‎informativer und moderierender Funktion. Den Kunden mit ‎Know-how ‎zu unterstützen, ihm Wege aufzuzeigen, wie er sich und seine ‎Produktionsanlagen ‎selbst gegen Schäden durch Spannungsein‎brüche optimieren kann, steht dabei im Fokus. ‎Das Szenario reicht ‎vom Einbau von Batterie-Puffern bis zu anderen hoch-‎technologisierten ‎Schutzmaßnahmen. Ein von der REWAG initiierter ‎Informationskreis dient dem ‎Erfahrungsaustausch hinsichtlich der ‎verschiedenen technischen Lösungsansätze.

Ein Forschungsprojekt in Zusammenarbeit mit der Ostbayerischen ‎Technischen Hochschule ‎Regensburg (OTH) unter der Leitung von ‎Professor Brückl beschäftigt sich darüber hinaus ‎mit dem Thema ‎Spannungsqualität. Die REWAG übernimmt damit eine Vorreiterrolle ‎und ‎agiert synchron einerseits als technisch versierter Netzbetreiber ‎mit hohem Know-how, ‎andererseits als kommunikativer Netzwerker, ‎der Lösungen und Leute zusammenbringt.‎