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Gemüse, Bücher und vieles mehr

Merx ist das lateinische Wort für Ware. Daraus wurde unser „Markt“. Und das passt auch, denn gehandelt wird am Alten Kornmarkt immer noch.

Getreide ist nicht mehr im Angebot. Aber wer frisches Obst und Gemüse will, der ist am Alten Kornmarkt richtig. Jeden Samstag ab sieben Uhr. Alter Kornmarkt heißt der Platz übrigens, weil der Getreidehandel, der früher tatsächlich hier stattfand, nach 1830 auf den Haidplatz verlegt wurde. Die Geschichte des Platzes reicht aber viel weiter zurück. Aus römischer Zeit finden sich noch Reste von Mannschaftsunterkünften. Auch ein repräsentatives Gebäude für den Kommandanten des Castra Regina hat hier gestanden. Später prägten die Bauten derer aus dem Geschlecht der Agilolfinger den Platz. Der Regensburger Heimatforscher Karl Bauer erzählt auch von Johannes von Capestrano. Der Franziskanermönch wetterte 1452 auf dem Kornmarkt gegen die Spielleidenschaft seiner Zeitgenossen. Viele Regensburger folgten seinen Worten und warfen Würfel sowie Spielkarten ins Feuer. Wie der Prediger die Lage heute beurteilen würde, weiß man nicht. Für die Regensburger gehört der Platz mit zum Stadtbild, und für viele ist der Einkauf auf dem Wochenmarkt ein fester Bestandteil des Wochenendes.

Gemüse mit Leidenschaft

Gemüse aus der Region findet man am „Frauenstand“. Das meiste stammt aus eigenem Anbau. Schon als Kind begleitete Sabine Hauner ihre Mutter auf den Wochenmarkt. Das ist gut 30 Jahre her. 1999 stellte sie die ersten Weichen, um in den elterlichen Betrieb einzusteigen. Damals arbeitete sie noch parallel in einem Büro. Seit 2005 konzentriert sie sich ganz auf den Gemüsebau. Auf drei Wochenmärkten sind die Hauners präsent. Der Kornmarkt ist einer davon. Regional heißt bei Sabine Hauner alles, was in der Region wächst. Und dabei ist sie sehr experimentierfreudig. So gab es dieses Jahr wieder knapp 50 Sorten Tomaten. Dazu jede Menge Kräuter, auch exotische, die hier gedeihen, sowie eine große Auswahl an Salaten. „Es macht uns einen Riesenspaß, etwas Neues auszuprobieren und zu kucken, welche Bedingungen die Pflanzen brauchen, damit sie in unserer Region gedeihen.“ Die Samen bringen ihr oft Kunden vorbei. Misserfolge gibt es natürlich auch. „Dazu gehört die Süßkartoffel, auf unseren Böden gedeiht sie einfach nicht.“ Wenn es um die Zubereitung geht, muss Sabine Hauner ihre Schwester Stefanie zu Hilfe rufen, die wie Schwester Martina häufig mithilft. Stefanie ist diejenige in der Familie, die gerne kocht. Ihre Marmeladen und anderes Eingemachte findet man ebenfalls auf dem Stand. Und wie sieht es im Winter aus? „Ende November hören wir auf“, sagt Sabine Hauner. „Eigene Produkte gibt der Boden nicht mehr her, und Obst oder Gemüse verkaufen, das von sonst woher eingeflogen wird, wollen wir nicht.“ Eine richtige Pause kennt Sabine Hauner dennoch nicht. Die kalte Jahreszeit nutzt sie, um ihre Maschinen und Geräte zu warten sowie die neue Saison vorzubereiten. Etwas mehr Luft für ihre Familie hat sie aber schon.

Für einen guten Zweck

Die Bücherkiste öffnet von 13 bis 17 Uhr, am Samstag von 10 bis 14 Uhr.

Ein Stand, der aus dem Rahmen fällt, ist die Bücherkiste. Betrieben wird sie vom Regensburger Sozialmagazin DONAUSTRUDL, und zwar schon seit Anfang 2000. Die Idee ist einfach: Wer sich von seinen Büchern trennen will, gibt sie im Büro des DONAUSTRUDL in der Dr. Theobald- Schrems-Straße 4 ab. Der Erlös kommt dem Sozialprojekt zugute. Und das Konzept geht auf. Einer, der die Bücherkiste am Alten Kornmarkt betreut, ist Werner Hofbauer, selbst ein großer Bücherliebhaber. „Es gibt inzwischen eine ganze Reihe von Stammkunden, die vorbeikommen und schauen, ob interessantes Neues eingetroffen ist“, erzählt Werner Hofbauer. „Bei manchen kennen wir sogar ihre Vorlieben für bestimmte Themen oder Autoren.“ Die Preise, jedenfalls für Belletristik und Kochbücher, richten sich nicht einfach nach dem, was der Markt hergibt. Denn Anliegen der Bücherkiste ist durchaus auch die kulturelle Teilhabe für alle, die etwas weniger im Geldbeutel haben. „Anders sieht es aus, wenn wir besonders hochwertige Bücher hereinbekommen“, erläutert Werner Hofbauer. „Dann orientieren wir uns an den Internet-Angeboten. Denn gute Preise bedeuten immer auch eine finanzielle Unterstützung für unseren Verein. Und in der Regel sind die Sammler gerne bereit, auch etwas höhere Preise zu bezahlen, in diesem Fall für einen guten Zweck.“

Vom Geist in der Flasche

Vom Vorbeigehen kennen sie die meisten: die Pforte des Karmelitenklosters am Kornmarkt. Dass dahinter noch wirkliches Ordensleben stattfindet, wissen wahrscheinlich die wenigsten. Fünf Padres und drei Brüder leben und arbeiten hier, feiern die heilige Messe und nehmen die Beichte ab. Das Regensburger Kloster blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. 1634 ruft Kaiser Ferdinand II. die unbeschuhten Karmeliten nach Regensburg. Sieben Jahre später wird der Grundstein für die Gebäude gelegt. Seinen Höhepunkt erlebte das Kloster im 18. Jahrhundert. Aus der Zeit stammt auch das Rezept für das „extraordinäre Schlagwasser der Barfüßer Karmeliten“, davon später mehr. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts setzte die Säkularisierung ein. 1810 wurde die Karmelitenkirche geschlossen und das Inventar verkauft. Das Gebäude diente als Güterhalle, die Gruft als Lagerkeller. 1812 wurden die Mönche vertrieben und das Kloster diente als Gefängnis oder Fronfeste, wie es damals hieß. „Erst 1836 war ein Neuanfang möglich“, erzählt Pater Robert. Er lebt seit vier Jahren im Kloster am Alten Kornmarkt. Zu den Karmeliten gehört der 73-jährige Pater schon über 50 Jahre. Zu seinen Aufgaben zählen die Seelsorge sowie die Verwaltung des Klosters. Und was hat es mit dem „Schlagwasser“ auf sich? „Die Kenntnis der Heilkunde spielte bei den Karmeliten immer eine wichtige Rolle. Jedes Kloster hatte auch eine Apotheke. Das Rezept für den echten Regensburger Karmelitengeist stammt aus dem Jahr 1721 und geht auf einen Pater Ulrich zurück.“ Früher gehörte das Destillat aus Kräutern und Gewürzen in jeden Haushalt. Die genaue Zusammensetzung kennen nur vier Karmeliten-Mönche, die sie weitergeben, wenn die Zeit gekommen ist. Was das Produkt der Regensburger Karmeliten mit dem viel bekannteren „Klosterfrau Melissengeist“ zu tun hat, ist eine andere Geschichte (siehe "Lesetipp").

Lesetipp: Dichtung und Wahrheit

Wenn der Regensburger Karmelitengeist das Original ist, wie verhält es sich zum deutlich bekannteren „Klosterfrau Melissengeist“? Wie die ehemalige Nonne Maria Clementine Martin möglicherweise in den Besitz des Rezepts gelangt ist und wie sie mit ihrem „Melissengeist“ den Regensburgern den Rang ablaufen konnte, die Geschichte kann man nachlesen in Helmut Heckelmanns Buch: „Maria Clementine Martin 1774 –1843“.