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Dienstag, 30.04.2013 12:44

Gemeinsames Forschungsprojekt mit der Hochschule Regensburg: REWAG testet innovativen Flüssigboden beim Leitungsbau

Deutschlandweit erstes Langzeit-Monitoring beginnt im Mai

V.l.n.r.:Prof. Dr. Thomas Neidhart, Leiter des Lehrgebiets Geotechnik an der Fakultät für Bauingenieurwesen an der HS.R; Fritz Bergmann, REWAG-Bauleiter und REWAG-‎Vorstandsvorsitzender Norbert Breidenbach mit Sensor und Bauplänen an der Teststrecke.‎

Es ist die Testbaustelle für ein deutschlandweit einzigartiges Langzeitprojekt. Gemeinsam mit dem Lehrgebiet Geotechnik an der Fakultät für Bauingenieurwesen an der Hochschule Regensburg (HS.R) untersucht die REWAG über mehrere Jahre die Auswirkungen von Temperatur, Feuchtigkeit und Schwingungen auf Rohrleitungen, die in verschiedenen Grabungstiefen unter Straßen eingebracht werden. Das Ganze sowohl bei der Einbettung der Rohre in innovativem Flüssigboden als auch in der herkömmlichen Sand-, Kies- und Schotterverfüllung. Vergangene Woche haben REWAG-Vorstandsvorsitzender Norbert Breidenbach und Prof. Dr. Thomas Neidhart, Leiter des Lehrgebiets Geotechnik an der Fakultät für Bauingenieurwesen an der HS.R., die Baustelle in der Straubinger Straße in Regensburg besucht.
„Wir sind hier Vorreiter“, erklärte Breidenbach. „Bisher gibt es zum Flüssigboden keinerlei Messungen unter tatsächlichen Bedingungen.“ „Vor allem auch keine Vergleichsmessungen von Sand- versus Flüssigbodenbettung“, ergänzte Prof. Dr. Neidhart, „ da sind die Erkenntnisse bislang rein theoretischer Natur. Auf die Ergebnisse sind wir also sehr gespannt.“
Sollten die Messergebnisse zeigen, dass die Wassertemperatur bei den Rohren, die in einem Meter Tiefe im Flüssigboden eingebettet sind, im Sommer wie im Winter stabil bleibt, könnten die Leitungen zukünftig deutlich höher gelegt werden (Grabentiefe 1,00 bis 1,25 Meter statt bisher 1,50 bis 1,80 Meter). Das wäre eine erhebliche Zeit- und Kostenersparnis.

Das Projekt
In der Straubinger Straße wird das Areal der ehemaligen Zuckerfabrik an die Gas- und Wasserversorgung angeschlossen. Dazu müssen die Leitungen die vierspurige Straubinger Straße unterqueren. Eine ideale Teststrecke, denn hier können Flüssig- und Sandboden im Einsatz getestet werden. Aufgeteilt auf vier Abschnitte, also die vier Fahrspuren, hat die REWAG die Teststrecke eingerichtet. In Fahrtrichtung stadtauswärts wurden die Rohre einen Meter tief verlegt, in Gegenrichtung sind es 1,50 Meter. Jeweils eine Fahrspur pro Fahrtrichtung wurde mit innovativem Flüssigboden gefüllt, die andere konventionell mit  Sand, Kies und Schotter. Insgesamt sind auf der Teststrecke 43 Sensoren im Boden verbaut. Diese messen Temperatur, Feuchtigkeit und Schwingungen in den verschiedenen Tiefen und Einbettungen. Interessant dabei ist, ob und wie sich die Wassertemperatur bei Sommerhitze oder im frostigen Winter im Flüssig- und Sandboden verändert. Auch die von den Fahrzeugen verursachten Schwingungen nehmen die Sensoren auf und messen ihre Auswirkung auf die Leitungen. Über mehrere Jahre werden diese Daten ausgelesen und ausgewertet. Mit ersten, aussagekräftigen Informationen rechnen die Beteiligten bereits im Herbst dieses Jahres.

Flüssigboden
Herkömmliche Böden werden zeitweise in einen fließfähigen Zustand versetzt. Dazu wird ein vom Leipziger Forscher Dipl. Ing. Olaf Stolzenburg entwickeltes Verfahren angewendet. Etwas praktischer formuliert: Wird eine Baugrube ausgehoben, kann der entnommene Boden verflüssigt und zur Füllung der Baugrube wieder verwendet werden. Flüssigboden ist ein Gemisch aus dem Ausgangsmaterial, also dem Bodenaushub aus dem Baugraben, und Zusatzstoffen sowie Wasser und gegebenenfalls Spezialkalk. Die Aufbereitung des Bodenaushubs zu Flüssigboden kann dabei mit mobilen Anlagen direkt auf der Baustelle erfolgen. Das Verfahren ermöglicht es, beliebige Arten von Bodenaushub wieder einzubauen. Die Eigenschaften des ursprünglichen Bodens bleiben dabei weitestgehend erhalten, entsprechen also auch den Eigenschaften des Bodens im Umfeld der Grabung. Die mit Flüssigboden verfüllten Bereiche reagieren somit in der gleichen Art und Weise auf Kälte, Hitze oder Schwingungen wie der umliegende gewachsene Boden. Dadurch kommt es zu keinerlei Spannungen zwischen den verschiedenen Schichten. Schäden und Risse können nicht entstehen. Ebenso übertragen sich Schwingungen und Erschütterungen (zum Beispiel verursacht durch den Verkehr) beim Flüssigboden weitaus weniger auf die Leitungen wie bei der herkömmlichen Verfüllung. Dadurch entstehen keine Schäden mehr, die Lebensdauer verlängert sich. Im Bedarfsfall können sogar spezifische Eigenschaften, wie die Wasserdurchlässigkeit oder die Belastbarkeit, gezielt verändert werden. Flüssigboden wird also so angepasst, dass er optimal in die Umgebung passt und ideal auf mögliche Umwelteinflüsse reagiert. Ein weiterer Vorteil des Flüssigbodens: Er füllt alle Hohlräume und verdichtet optimal. Die Rohre sind lückenlos und sicher eingebettet. Auch diese Tatsache schützt die Leitungen und trägt zur Haltbarkeit bei.