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Dienstag, 30.07.2013 11:32

Pilotprojekt von REWAG und Schmack Biogas

Die Energiepflanze Silphie

Foto REWAG, Nachdruck frei. Von links: Frank Stumpf, Schmack Biogas; Dr. Tino Weber, Geschäftsführer von Schmack Biogas; Karlheinz Hanke, REWAG; REWAG-Prokurist Karl-Wolfgang Brunner; Wolfgang Hutterer, landwirtschaftlicher Berater der REWAG; Dr. Regina Grosser, REWAG; Franz Habenschaden, Landwirt und Leonard Scheuerecker, Schmack Biogas mit der Energiepflanze Silphie.

Auf den schönen Namen „Durchwachsene Silphie“ hört eine potenzielle Energiepflanze der Zukunft. Sie ist eine in Nordamerika beheimatete, ausdauernde und mehrjährige Pflanze aus der Familie der Korbblütler. Silphie ist nach aktuellem Forschungsstand besonders geeignet, um daraus Energie zu erzeugen. Ähnlich dem Mais als Energiepflanze zeichnet sie sich durch eine hohe Biomasse und eine hohe Biogasausbeute aus. Darüber hinaus ist Silphie besonders gut für den Anbau in äußeren Wasserschutzgebieten geeignet. Sie braucht kaum Dünger und speziell für Wasserschutzgebiete geeignete Herbizide nur im ersten Jahr. „Für die REWAG ist Silphie damit ein wertvoller Beitrag zum Grundwasserschutz“, erklärt  REWAG-Prokurist Karl-Wolfgang Brunner „Darüberhinaus wird die Ernte in unserer Biogasanlage Schwabelweis verarbeitet. Auch hier profitieren wir von dem Pilotprojekt.“

Auf einer drei Hektar großen Fläche bei Lorenzen testen Schmack Biogas und die REWAG gemeinsam den Anbau der alternativen Energiepflanze. In Landwirt Franz Habenschaden haben die Initiatoren einen engagierten Partner gefunden. Er hat die jungen Silphie-Pflanzen vor rund einem Jahr im äußeren Wasserschutzgebiet  der REWAG eingesetzt. War die Energiepflanze im ersten Sommer noch sehr klein und ohne Ertrag, steht sie in diesem Jahr schon zwei bis drei Meter hoch und ist in voller Blüte. Franz Habenschaden erwartet eine gute Ernte. Mindestens so viel Ertrag wie Mais soll Silphie bringen. Über 40 Tonnen pro Hektar werden es voraussichtlich in diesem Jahr sein, mehr als 50 Tonnen pro Hektar werden für das kommende Jahr erwartet, wenn alle Pflanzen ihre volle Größe erreicht haben. Im Vergleich dazu liegen die Erträge bei etwa 53 Tonnen pro Hektar beim Mais im Bereich der REGAS-Biogasanlage Kallmünz-Eich. Ein durchaus ähnliches Ergebnis also. Die Energiepflanze Silphie ist im Vergleich zum einjährigen Mais in ihrer Aufzucht aber weitaus unkomplizierter. „Wir sehen in der Durchwachsenen Silphie eine attraktive Ergänzung zu herkömmlichen Energiepflanzen. Sie verbindet ökologische und ökonomische Vorteile in der Biogaserzeugung in besonderem Maße,“ erklärt Dr. Tino Weber, Geschäftsführer von Schmack Biogas. Deshalb wird nun Silphie als potenzielle Alternative zu den bisher gängigen Energiepflanzen getestet. Zu drei verschiedenen Terminen wurde Silphie im Frühjahr 2012 gepflanzt.

Die „Durchwachsene Silphie“
Die Durchwachsene Silphie kommt in Nordamerika in Klimaverhältnissen vor, die mit denen in Mitteleuropa vergleichbar sind. Besonders an trockene Standorte kann sie sich gut anpassen, da sie Wasser nicht nur über den Boden, sondern auch über ihre becherförmigen Blätter aufnimmt. Das macht sie sehr unkompliziert in der Pflege. Mindestens zehn Jahre lang kann Silphie regelmäßig beerntet werden. Ein großer Vorteil gegenüber dem Mais und anderen Energiepflanzen. Dazu kommt auch, dass bei Silphie nur im ersten Jahr die speziell zugelassenen Herbizide eingesetzt werden müssen. Bereits im zweiten Jahr, wenn ihr Blattwerk den Boden beschattet, ist keine Unkrautbekämpfung mehr nötig. Ein großer Vorteil für den Grundwasserschutz. Ein weiterer Vorteil gegenüber dem Maisanbau ist auch die ganzjährige Durchwurzelung des Bodens. Diese wirkt der Erosion entgegen. Endgültig ausgewachsen erreicht die Silphie eine Höhe von drei Metern. Sie blüht von Juni bis September und ist dadurch bei Hummeln und Bienen als Nahrungsquelle sehr beliebt.

Grundwasserschutz
„Wir haben hier eine absolute Win-win-Situation“, freut sich REWAG-Wasserexperte Karlheinz Hanke. „Wir testen einen potentiellen Energielieferanten und betreiben nachhaltigen Grundwasserschutz.“ Das Silphie-Feld befindet sich im Einzugsbereich des Wasserwerks Sallern, aus dem 80 Prozent des Regensburger Trinkwassers stammen. Hier pflegt die REWAG schon seit rund 15 Jahren eine intensive Kooperation mit den Landwirten. Auf Basis vertraglich geregelter Bewirtschaftungsvereinbarungen honoriert die REWAG deshalb geringe Stickstoffgehalte im Boden oder den Anbau bestimmter Fruchtarten mit Prämienzahlungen. Ziel ist es, die Grundwasserqualität langfristig zu sichern. Dabei soll vor allem der Nitrateintrag aus der Landwirtschaft ins Grundwasser reduziert werden. „Gemeinsam mit unserem landwirtschaftlichen Berater Wolfgang Hutterer beraten und unterstützen wir die Landwirte, die Flächen in unserem Wasserschutzgebiet bewirtschaften, bei allen Fragen zur Düngung und zum Pflanzenbau“, beschreibt Karlheinz Hanke die Zusammenarbeit. „Zusammen mit Herrn Hutterer haben wir auch das Projekt Silphie in Angriff genommen.“ Im ersten Pflanzjahr waren die Kosten für die beteiligten Partner sehr hoch. Erträge gab es dagegen noch keine. Für Landwirt Franz Habenschaden ein wirtschaftliches Risiko, das über eine Sondervereinbarung mit der REWAG und Schmack Biogas aufgefangen wird, da sich die beiden Unternehmen die Kosten für das Projekt teilen.

Energie aus Silphie
Schmack Biogas hat weitere Versuche mit Silphie und anderen alternativen Energiepflanzen in Franken, Hessen und Niedersachsen. Das Unternehmen will die jährliche Anbaufläche weiter erhöhen, um auf unterschiedlichen Standorten zu mehr Testergebnissen zu kommen. Weil die Pflanzung sehr aufwändig ist, ist zu klären, wie die Silphie mit Saatverfahren etabliert werden kann. In Lorenzen wurden zum Beispiel die jungen, in einer Gärtnerei gezogene Pflanzen, im letzten Jahr noch per Gemüsepflanzmaschine mit viel Handarbeit Arbeit ausgebracht.
Mitte bis Ende August soll die Silphie in Lorenzen geerntet werden und wird dann in der REWAG-Biogasanlage in Schwabelweis verarbeitet. In dieser Anlage werden im Jahr knapp 17 Millionen Kilowattstunden (kWh) Biogas produziert. In einem Blockheizkraftwerk (BKHW) wird das Biogas in rund 6 Millionen kWh Strom und fast 4 Millionen kWh Wärme pro Jahr umgewandelt. Der Strom, der den Bedarf von circa 1.700 Haushalten deckt, wird ins Stromnetz eingespeist, die Wärme trocknet den Kalk im angrenzenden Werk von Walhalla Kalk.

Allgemeines zur REWAG
Gegründet 1975/76, steht die REWAG seit über 35 Jahren für komfortable und zuverlässige Energie- und Trinkwasserversorgung in und um Regensburg. Sie versorgt mit rund 400 Mitarbeitern ca. 200.000 Menschen mit Strom, Erdgas, Wärme und Trinkwasser. Neben der Nähe zum Kunden und der hohen Versorgungssicherheit stellen kundenorientierte Serviceleistungen für Haushalts-, Industrie- und Gewerbekunden den zentralen Erfolgsfaktor dar. Die REWAG investiert jährlich hohe Summen in ihre technischen Anlagen und Standards sowie in die Aus- und Weiterbildung ihrer Mitarbeiter.

Allgemeines zu Schmack Biogas
Schmack Biogas zählt zu den führenden deutschen Anbietern für Biogasanlagen. Das Unternehmen wurde 1995 gegründet und gehört seit Januar 2010 zur Viessmann Group. Es bietet mit den Marken Schmack, BIOFerm und Carbotech seine Leistungen in den Geschäftsbereichen Projektierung und Errichtung sowie Service und Betriebsführung an und zählt damit zu den wenigen Komplettanbietern der Branche. Ein weiterer Schwerpunkt ist neben der technischen Unterstützung ein umfassender mikrobiologischer Service.